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Vitamine in der Taubenhaltung Seit der Entdeckung der Vitamine vor ca. 90 Jahren hat sich ein tiefgreifender Wandel in der Tierhaltung vollzogen. War früher die Fütterung auf Selbsterhaltung der Tiere abgestellte, steht heute die Leistung, sowohl der Nutztiere wie der Hobbytiere, im Vordergrund. Vitamine sind organische Substanzen, die zur Aufrechterhaltung aller Körperfunktionen (Wachstum, Gesundheit, Fruchtbarkeit, Leistungsfähigkeit) notwendig sind. Da Vitamine in der Regel nicht vom menschlichen oder tierischen Organismus selbst hergestellt werden können, sondern mit der Nahrung dem Körper zugeführt werden müssen, bezeichnet man sie als essentielle (lebensnotwendige) Mikronährstoffe. Dabei hat jedes Vitamin seine spezielle Aufgabe, die nicht von einem anderen Vitamin übernommen werden kann. Um einen ungestörten Verlauf aller physiologischen Funktionen aufrecht zu erhalten, müssen alle Vitamine regelmäßig zugeführt werden. Fehlt eine der Komponenten, treten Mangelerscheinungen auf, die bei längerem Andauern auch zum Tode führen können. Anders als Kohlenhydrat, Eiweiß, Fett und Mineralstoffe, die dem Körper als Nähr- und Aufbaustoffe dienen, üben die Vitamine und Spurenelemente als sogenannte Wirkstoffe wichtige Funktionen bei allen Lebensvorgängen der Tiere aus. Als Bestandteile von Enzymen (Fermenten) treten sie als Vermittler bei den verschiedenen Auf- und Abbauprozessen im Körper auf. Da Vitamine und Spurenelemente selbst nicht verbraucht werden, sondern nur nach einer gewissen Zeit ausgeschieden und erneuert werden, beträgt ihr Bedarf nur wenige Mikrogramm bis Milligramm pro Tag. Spurenelemente und Vitamine haben zwar ähnliche Funktionen, sie sind chemisch jedoch grundverschieden. Spurenelemente sind anorganisch, Vitamine organische Substanzen. Bis heute kennt man 13 Vitamine und eine Anzahl vitaminähnlicher Verbindungen, deren genaue Funktion bisher noch nicht oder ungenügend nachgewiesen wurde. Daneben gibt es sogenannte "unbekannte Wachstumsfaktoren", z.B. in der Bierhefe, die das Wachstum und die Leistung günstig beeinflussen. Ihre genaue Bedeutung muss noch aufgeklärt werden. In einer leistungsorientierten Tierhaltung besteht ein erhöhter Vitaminbedarf, der nicht allein durch das gewachsene Futter zu decken ist; sein Vitamingehalt ist zu niedrig und wenig ausgewogen. Nur durch die zusätzliche Verabreichung von Vitaminen ist die genetisch ausgelegte Leistungsfähigkeit voll auszuschöpfen - in der modernen Nutztierhaltung hat man diesen Zusammenhang längst erkannt. Die Frage, die sich für Taubenzüchter stellt, ist, in welcher Menge und zu welchem Zeitpunkt sind Klein- und Hobbytiere auf die Zuführung von Vitaminen angewiesen? Hätten diese Tiere eine ähnliche wirtschaftliche Bedeutung wie das Nutzgeflügel, gäbe es wahrscheinlich eine klare Antwort. Da das nicht der Fall ist, ist man auf Vergleiche mit Nutztieren und auf die Erfahrung erfahrener Züchter angewiesen. Ganz sicher weiß man, dass eine Unterversorgung mit Vitaminen zu Leistungsstörungen, Krankheiten, schlechtem Wachstum, Störungen der Fortpflanzung und Anfälligkeit gegenüber Infektionskrankheiten und Parasitenbefall führt. Eine übermäßige Vitaminversorgung kann ebenfalls zu Störungen des Allgemeinbefindens führen. Welches ist nun die richtige Dosierung? Die Frage zu beantworten, ist Sinn dieses Artikels. Doch bevor über den praktischen Einsatz von Vitaminen gesprochen wird, sollen, zur besseren Einschätzung, die Vitamine und ihre Bedeutung im Einzelnen vorgestellt werden. |
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