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 Die Anwendung von Vitaminen in der Brieftaubenhaltung

Dass man Tauben synthetische (künstliche) Vitamine zufüttern sollte, hat verschiedene Ursachen. Zunächst verhindern Taubenzüchter durch die Haltungsbedingungen, denen sie die Tauben unterwerfen - geregelter Freiflug -, die Aufnahme natürlicher Vitamine in der freien Natur. Diese Tatsache mag beklagenswert sein, doch die schädlichen Einflüsse beim Feldern sind heute ohne Zweifel schwerwiegender als die Vorteile. Zum anderen stellt man immer höhere Ansprüche an die Leistungen der Brieftauben, in der Zucht, wie in der Reise. Durch züchterische Verbesserung wurden hierzu genetisch die Voraussetzungen geschaffen, durch eine verbesserte und gezielte Fütterung werden sie energetisch in die Lage versetzt, diese Leistungen bringen zu können. Doch verbunden mit einer größeren Leistung ist eine Steigerung des Stoffwechsels; dieses wiederum bedingt eine Erhöhung des Vitaminbedarfs. Da die Aufnahme natürlicher Vitamine begrenzt ist, ist der Einsatz synthetischer Vitamine unumgänglich. Selbstverständlich können Züchter einen Teil des Vitaminbedarfs durch die Zufütterung natürlicher Vitaminquellen wie Bierhefe, Lebertran, Salate usw. decken; ihr genauer Vitamingehalt ist allerdings schwer abzuschätzen. Um sicherzustellen, dass die zur Erbringung einer bestimmten Leistung erforderlichen Vitamine auch wirklich von der Taube aufgenommen werden, ist ein Vitaminpräparat mit genauen Inhaltsangaben der beste Garant. Unbewusst besteht bei vielen eine gewisse Abneigung gegenüber künstlichen oder synthetischen Erzeugnissen. Das mag für übliche Nahrungsmittel durchaus verständlich sein - wer würde schon gerne synthetisches Fleisch oder künstliche Bananen essen -, doch bei den Vitaminen gibt es für diese Abneigung keinen logischen Grund. Synthetische, d. h. technisch hergestellte Vitamine unterscheiden sich nicht von den natürlichen. Die Entdeckung der genauen Molekülstruktur ermöglichte den Chemikern, für jedes Vitamin das identische Molekül im Labor bzw. in der Fabrik künstlich herzustellen. Mit anderen Worten, ein Vitaminmolekül, ob in der Pflanze oder im Labor erzeugt, hat genau die gleichen Eigenschaften und Wirkungen, wenn es verfüttert wird. Aufgrund ihrer großen Reinheit und besseren Verwertbarkeit spricht vielmehr einiges für die synthetischen Vitamine. Die in den Pflanzen natürlich enthaltenen Vitamine sind zum Teil an andere Moleküle gebunden und somit für die Taube nur im geringen Maße verwertbar. Das reichhaltige Angebot unterschiedlich zusammengesetzter Vitaminpräparate ermöglicht den gezielten Einsatz für bestimmte Zwecke. Die meisten Präparate sind wasserlöslich oder wassermischbar. Selbst die eigentlich fettlöslichen Vitamine A, D3, E und K sind seit etwa 20 Jahren als wassermischbare Emulsionen erhältlich und besitzen die gleiche Qualität und Resorbierbarkeit wie die entsprechenden öligen Zubereitungen. Je nach Zusammensetzung werden die Vitaminpräparate bezeichnet als: Vitamultin-MB-Multivitamin: wasserlösliches Präparat, in dem viele lebenswichtigen Vitamine enthalten sind. Vitamultin-B-Komplex: wasserlösliches Präparat, das die Vitamine B1( B2, Bc, B19, Pantothensäure, Nicotinsäure-amid und Biotin enthält. Vitamultin-E-Präparat: reines Vitamin E, wassermischbar. Vitamin A, D3, E, C: wassermischbare Zubereitung dieser Vitamine. Siegertauben-Vitamina: Multivitamin mit 18 Vitaminfaktoren. Eine Frage, die sich den Züchtern stellt, ist, wie häufig und in welcher Dosierung sollen Vitamine verabreichen werden? Man muss unterscheiden zwischen einer minimalen und einer optimalen Vitaminversorgung. Die Minimalversorgung dient allein der Erhaltung der Tauben, d. h., es wird die Menge verabreicht, die Mangelerscheinungen gera- de verhindert. Diese Mengen konnten für Küken in Fütterungsversuchen genau bestimmt werden. Sobald dieser Mindestbedarf unterschritten war, ging das Wachstum der Küken gegenüber den Vergleichsgruppen deutlich zurück. Eine optimale Vitaminversorgung ist dann erreicht, wenn die genetischen Veranlagungen der Tiere (Taube) hinsichtlich Wachstum, Fortpflanzung und Leistungsfähigkeit voll ausgeschöpft werden. Dabei hat sich die Vitaminversorgung an der Leistungsspitze zu orientieren. In welchen Phasen der Brieftaubenhaltung welche Vitamine verabreicht werden müssen, soll in den folgenden Kapiteln behandelt werden. Für alle Jahreszeiten gilt, daß bei besonderem Stress und nach dem Einsatz von Medikamenten ein erhöhter Vitaminbedarf besteht; beide sind Vitamin-zehrer. Winterhaltung Die Umstellung auf die Winterfütterung beginnt im Anschluß an die Hauptmauser. Die Futterrationen werden kleiner - viele Züchter legen einen sogen. Hungermonat ein -, und der Eiweißanteil wird zurückgeschraubt. Nach wenigen Wochen sollte das während der Mauser angefressene Übergewicht erheblich reduziert sein. Auch der Freiflug wird reduziert - in Gegenden mit Greifvogelproblemen geschieht dies zwangsläufig. Mit anderen Worten, alles läuft auf eine ruhigere, der Erholung dienenden Haltung hinaus. Automatisch werden damit auch alle Lebensprozesse im Körper einer Taube auf ein Minimum reduziert. Aufgrund des geringeren Stoffumsatzes besteht nun auch ein geringerer Vitaminbedarf. Um nicht unnötige Winterform zu produzieren, sollte eine minimale Vitaminversorgung stattfinden, die allein der gesunden Erhaltung der Tauben dient. Um diesen Mindestbedarf zu decken, ist es ausreichend, wenn alle zwei Wochen ein Multivitamin, in dem alle lebenswichtigen Vitamine enthalten sind, in der auf derPackung angegebenen Dosierung verabreicht wird. Vitamine sind empfindlich gegenüber Licht, Sauerstoff, Hitze und Frost. Deshalb ist es zweckmäßig, angebrochene Flaschen oder Dosen im Kühlschrank oder Keller verschlossen aufzubewahren. Zuchtperiode Rechtzeitig vor Beginn der Zucht müssen die "Lebensgeister" der Tauben wieder geweckt werden. Durch "Verbesserung" der Futterzusammensetzung - höherer Eiweißanteil - und einer etwas größeren Futtermenge wird die Stoffwechselaktivität gesteigert und damit der Vitaminbedarf erhöht. Von einer minimalen muss nun wieder auf eine optimale Vitaminversorgung umgestellt werden. Sowohl die Vitamine A, D3, E und C als auch die Vitamine des B-Komplexes werden verstärkt benötigt. Der Züchter kann kurmäßig beide Vitamingruppen im Wechsel oder ein gut zusammengestelltes Multivitamin verabreichen; zweimal wöchentlich in normaler Dosierung dürfte MI ausreichend sein. Vitamultin® E Das wichtigste Vitamin während der Zucht und Aufzucht! Nicht ohne Grund wird Vitamin E als "Fruchtbarkeitsvitamin" bezeichnet. Versuche mit Hühnern belegen, dass durch zusätzliche Vitamin E-Gaben die Fruchtbarkeit verbessert werden konnte. Wird in den letzten ein bis zwei Wochen vor der Eiablage ausreichend Vitamin E verabreicht, gelangt ein Teil dieses Vitamins ins Ei. Dort erhöht es die Schlupffähigkeit und die Widerstandsfähigkeit des Embryos. Auch nach dem Schlüpfen ist eine gute Vitamin E-Versorgung von Vorteil. Bei Fütterungsversuchen mit Küken konnte eine bessere Immunität (Abwehrkraft) gegenüber Infektionskrankheiten und Parasitenbefall (selbst Kokzidien) nachgewiesen werden. Blutuntersuchungen zeigten eine Erhöhung der Antikör-perbidung. Es besieht eine enge Verbindung zwischen Vitamin E und dem Spurenelement Seten. Kiene Setengaben können die Wirkung des Vitamin E verstärken. Zur Verhinderung von Muskelschwund oder eines zu geringen Muskelwachstums muss neben dem Vitamin E eine ausreichende Menge einer scnwefethaJ-tigen Aminosäure, z.B. Methionin. im Futterenthalten sein bzw. zugefüttert werden. Diese Aufzählung zeigt, welchen großen Stellenwert Vitamin E in der Zucht einnimmt. Doch auch hier gilt, mäßig aber regelmäßig hilft mehr als viel und selten! Selbstverständlich dürfen auch die anderen Vitamine nicht vernachlässigt werden. Besonders die Vitamine des B-Komplexes spielen während des Wachstums der Jungtauben eine wichtige Rolle. Durch den enormen Stoffumsatz ist der Bedarf dieser sogenannten "Stoffwechselvitamine" stark erhöht. Im Zusammenhang mit der Eischalenbildung und später mit der Knochenbildung bei den Jungtauben ist eine ausreichende Versorgung mit dem Vitamin D3 von großer Wichtigkeit. D3 ist verantwortlich für die Resorption von Calci-um im Darm und für den Einbau von Calcium und Phosphor in die Knochensubstanz. Das schnelle (Knochen-) Wachstum der Jungtauben bedingt einen erhöhten Vitamin D3-Bedarf, und nur ein optimal entwickeltes Knochengerüst bietet die Voraussetzung für die spätere Leistungsfähigkeit. Die Speicherfähigkeit des Körpers vor allem der Leber - für die Vitamine A, D3, E und C ist größer als für die Vitamine des B-Komplexes. Deshalb sollten während der Zucht einmal wöchentlich ein Multivitamin (es enthält bereits B-Vitamine) und zusätzlich ein B-Komplex verabreicht werden. Für Jungtauben nach dem Absetzen ist es ausreichend, wenn sie im Wechsel in einer Woche ein Multivitamin, in der darauffolgenden Woche ein B-Komplex erhalten. Kurz vor Beginn der Jungtierreise sollte das Multivitamin dann abgesetzt werden, um sie auf den Jungtierflügen mit Rücksicht auf die Verlustrate etwas ruhiger an den Start zu bringen. Reisesaison Während der Reise bedarf der Vitamineinsatz gründlicher Überlegung und Planung. Vitamine zu früh und zu reichlich eingesetzt bringt nach einem guten Start meist ein schnelles Ende der guten Reiseleistung. Besonders die Vitamine A, D3 und E - sie sind in den Multivitaminen enthalten - führen zu einer frühzeitigen Hochform. Die Formkurve steigt auf den ersten Flügen sehr schnell und fällt ab Mitte der Saison rasch auf ein niedriges Niveau. In solch einer Situation ist es sehr schwer, die Tauben erneut in Form zu bringen. Der Einsatz von Multivitaminen erfordert viel Aufmerksamkeit. Man sollte vorsichtig damit umgehen und sich an der Schwere der vorangegangen Flüge orientieren. Da wir auf unseren Schlägen mit dem Silberpfeil Eiweißpräparat ar- beiten, in dem ein Grundbedarf an Mul-tivitamine enthalten ist, kommt ein zusätzliches Multivitamin nur nach schweren Flügen in Betracht. Weniger problematisch sind die B-Vitamine. Witwer haben während der Reise eine sehr hohe Stoffwechselaktivität und benötigen hierzu die Unterstützung der B-Vitamine. Sie werden nur kurzfristig im Körper gespeichert, überschüssige Vitamine werden ausgeschieden. Aus diesem Grund erhalten meine Witwer von Anfang der Saison am Abend vor dem Einsetzen Vitamine des B-Komplexes; bei kurzen Entfernungen in geringer Dosierung, bei weiten Flügen etwas mehr und zusätzlich zu einer Mahlzeit am Mittwoch. Der richtige Umgang mit Vitaminen in der Reisezeit muss erlernt werden. Jeder Anfänger sollte in dieser Frage den Rat erfahrener Sportsfreunde holen -nur so kann er sich vor jahrelangen Fehlern und Mißsserfolgen schützen. Selbst der Taubentyp spielt beim Einsatz von Vitaminen eine Rolle: langsame Tauben bringt man mit Vitaminen vielleicht in die Liste, schnelle, hitzige Tauben eher aus der Liste. Mauserzeit Keine Phase der Brieftaubenhaltung beansprucht die Kondition und Energie der Tauben so stark wie die Hauptmauser. Fast alle Federn müssen erneuert werden. Hierzu sind große Mengen an "Baustoffen" erforderlich. Nährstoffe werden mit Hilfe der zahlreichen Stoffwechselprozesse abgebaut und zu körpereigenen Substanzen wieder aufgebaut. Der Stoffumsatz nimmt Ausmaße an, die die ganze Kraft der Tauben beanspruchen. Alle Vitamine müssen jetzt in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Fehlt nur eines der Vitamine, kommt es zu Stoffwechselstörungen, die Widerstandskraft der Tauben lässt nach und Infektionskrankheiten (z.B. Schnupfenerkrankungen) sind vorpro-grammiert. Trjcom@ MauserhMfe und Picorin sind in der Mauser die ideale Futterergänzung, auch sie enthalten wichtige Vitamine Die Hauptmauser verlangt die ganze Aufmerksamkeit und Pflege des Züchters. Licht, Luft, Mineralstoffe. Spurenelemente, Vitamine und eine ausgewogene Ernährung sind die Voraussetzung für einen optimalen Mauserverlauf, dieser wiederum ist der erste Schritt für eine erfolgreiche Saison im kommenden Jahr.

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